Rund drei Viertel der Change Initiativen in deutschen Unternehmen scheitern.1 Das bestätigen viele Quellen, wenn man so durchs Internet surft. Also 3 von 4 Veränderungen verbrennen wertvolle Ressourcen.

Ich möchte nicht allzu viel in die Tiefe gehen, warum Veränderungen scheitern. Die Gründe hat jeder schon erfahren (Wenig Kommunikation, wenig Klarheit, keine Ausdauer, Management Commitment fehlt, Widerstand der Mitarbeiter …).

Vielmehr möchten wir gleich darauf eingehen, wie sie nicht scheitern. Dabei orientiert sich der Artikel an den 8 Stufen von John Kotter, weil sie es perfekt auf den Punkt bringen.  

8 Stufen für das Change Management

Der 8-Stufenplan wurde von John Kotter erstmals 1995 im Harvard Business Review veröffentlicht und anschließend kam ein umfangreiches Buch „Leading Change“ heraus, das zum Bestseller im Change Management wurde.

1. Dringlichkeit aufzeigen

In der ersten Stufe muss allen Führungskräften und Mitarbeitern die Dringlichkeit und Wichtigkeit für die Veränderung aufgezeigt werden. Somit wird im ersten Schritt Verständnis und Bewusstsein für die Veränderung geschaffen.

2. Führungskoalition aufbauen

Im nächsten Schritt wird ein Veränderungsteam zusammengestellt, das den Prozess der Veränderung führen soll. Die Zusammensetzung ist der Erfolgsfaktor, das Team soll die Organisation repräsentieren, heterogen sein, möglichst viele Expertisen und betroffene Bereiche abdecken, sowie eine Mischung aus Skeptiker und Befürworter haben.

Die wichtigste Basis für das Team ist, dass es funktioniert, Vertrauen aufgebaut wird und gemeinsam von Anfang an, das heißt an den Zielen, gearbeitet wird. Außerdem muss das Team mit der Macht ausgestattet werden, den Wandel zu gestalten.

3. Vision und Strategie entwickeln

Das Team definiert die Vision für die Veränderung – Wo soll es hingehen und warum? Was ist unser Nordstern? Die Vision zieht sich durch den gesamten Change Prozess, weil sich alle Aktivitäten daran ausrichten sollen. So soll sie spezifisch, inspirierend, klar, vorstellbar, visionär, trotzdem erreichbar, aber auch etwas flexibel sein, etc. sein. Daraus wird dann die Strategie abgeleitet, nämlich der Weg dorthin.

4. Die Vision kommunizieren

Und nun kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren. Die Veränderungsvision soll bei allen Mitarbeiter ankommen, klar verstanden werden, inspirieren und motivieren.

5. Hindernisse aus dem Weg räumen

Veränderungen stoßen schnell auf Widerstände, oft sind sie sofort sichtbar, oft liegen sie noch tief in der Organisation und kommen erst später zum Vorschein. Wichtig ist, mit extremer Sensibilität Hindernisse für die Veränderung so schnell wie möglich zu identifizieren. Das kann von Menschen, Einstellungen, Praktiken, Prozesse, Systemen, etc. ausgehen. Danach müssen die Barrieren aus dem Weg geräumt werden oder Interventionen vorgenommen werden, damit der Change nicht verhindert werden kann.

6. Kurzfristige Erfolge anstreben

Dass der Change seinen Sinn und Nutzen hat und allen etwas bringt, muss so schnell wie möglich bewiesen werden. Am besten gelingt das mit Low Hanging Fruits, also schnellen und spürbaren Erfolgen. Sie sind äußerst wichtig für die Glaubwürdigkeit der Veränderung aber auch als Belohnung und Motivation für die Mitarbeiter und deren Bemühungen.

7. Veränderung weiter antreiben

Dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben. Bereits erzielte Veränderungen Erfolge müssen gefestigt werden. Weitere Maßnahmen müssen gesetzt werden, um den Change zu erreichen. Dabei sollen neue Impulse, Ideen, Mitarbeiterqualifikationen und Maßnahmen den Veränderungsprozess in Gang halten und weiter beflügeln. Wichtig ist, dass das Ende des Change Prozesses nicht zu früh verkündigt wird. Das Risiko ist, dass der Change nicht gefestigt ist und man in alter Muster zurückfällt.

8. Veränderungen in der Kultur verankern

Die letzte Stufe werden die Veränderungen in der Kultur und den Werten verankert. Wenn das passiert, ist der Change gelungen.

Resümee: Change braucht Fokus, Zeit und Ausdauer.

Wer glaubt, Change passiert von selbst, der irrt. Außer es gibt einen Virus.

Ein Veränderungsprozess braucht gutes Management und gute Führung. Eine klare Vision, Strategie, Kommunikation und viele Maßnahmen gepaart mit Ausdauer, Sensibliität und Fingerspitzengefühl. Denn scheitert der Change, werden die Ziele nicht erreicht, aber die Ressourcen und die Zeit sind auch verloren.

1 Quelle: Mutaree Studie 2019

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